Zukunft ist Vergangenheit.

Pling. Eben ist eine kleine 1 an der Facebook-App erschienen. Karla öffnet Facebook und findet eine Veranstaltungseinladung zu einem Geburtstag vor. Der Veranstalter - ein Freund. Eigentlich war er mal ein sehr guter Freund von Karla. Dann trat ER in ihr Leben und ihre Freunde wurden auch seine Freunde. Und heute? Heute sind es mehr seine Freunde. Karla hat ihm das Sorgerecht überlassen. Weil es einfacher war, als sich der Tatsache zu stellen, dass das was war, eben nicht mehr ist und die Zukunft zur Vergangenheit wurde. Karla überfliegt den Text für die Veranstaltung. Denn es gibt sie auch heute noch, die Veranstaltungen, zu denen sie das Besuchsrecht hat. Für einen kurzen Augenblick ist es wieder wie früher. Die Kälte ist für diese kurze Zeit auf Eis gelegt und all die Worte die vielleicht noch hätten gesagt werden müssen, sind für diesen Moment wie aufgelöst.
"Und, was tust du? Gehst du hin?", frage ich. Karla sieht lange in die Ferne, ehe sie mir wieder in die Augen blickt. "Nein, es geht nicht. Ich kann nicht hingehen." Statt einer Erklärung zeigt Sie mir die Liste mit Zusagen zur Party. Mir sticht sofort eine Person ins Auge, auf die sie hinaus will."Die Sache ist die,", fährt Karla fort "jedes Mal, wenn wir uns gesehen habe, war er einfach er und ich einfach ich. Wir haben beide überspielt, dass es dieses WIR nicht mehr gibt, dass es uns nicht mehr gibt. Wir haben so getan, als würden neue Partner nicht existieren und wenn er mit seiner neuen Freundin kommt, ist es, als hätte er unsere unausgesprochene Abmachung gebrochen, nämlich dass wir weiterhin einfach, so tun, als wäre das Leben nicht weiter gegangen. Als wäre das alles nicht passiert und unsere Zukunft nicht Vergangenheit. Er ist nicht mehr Karl der Torwart und ich nicht mehr Karla."

Noch lange hallen die Worte in meinem Kopf nach. Zukunft ist Vergangenheit.
Wird Zukunft nicht unweigerlich früher oder später zur Vergangenheit?

Und warum fällt es uns überhaupt so schwer, die Vergangenheit ruhen zu lassen?
Viel zu oft ertappe ich mich selbst dabei, wie ich die Vergangenheit analysiere. Mir diese berühmt berüchtigten Fragen stelle "Was wäre wenn..?". Hänge mich manchmal nur allzu gern daran auf, was vielleicht hätte sein können, wenn ich vor drei Tagen ein anderes Kleid getragen hätte. Wenn ich einmal mehr NEIN gesagt hätte. Und auf der anderen Seite versuche ich die Zukunft zu planen. Stelle mir aus einem Baukasten eine Zukunft zusammen, wie ich sie haben möchte. Überlege heute schon, was in einem Jahr passieren könnte und versuche, all das schon heute in die Wege zu leiten.

Ich blicke auf gestern und frage mich, ob das der Tag ist, wie ich ihn mir in der Zukunft ausgemalt habe. Ist die Zukunft wie ich sie mir vorgestellt habe, zur Vergangenheit geworden? Und wenn nicht, was würde es heute ändern? Die Sache ist doch die, heute lebe ich. Und wenn ich heute glücklich bin, ist es völlig egal, welche ausgemalte Zukunft zur Vergangenheit wurde, oder?

Also, halte fest was heute ist, was dich heute glücklich macht. Tu was dir gefällt, aber halte dich nicht stets mit diesem "Was wäre wenn..?" Gedanken auf. Sei spontan und hör auf dein Herz, denn die Zukunft lässt sich ohne weiteres nicht planen.

Und irgendwann erkennt man, das es nicht mehr schlimm ist, nicht mehr Karla zu sein. Und das der Lauf der Dinge eben die Zukunft zur Vergangenheit macht.


Fällt es euch auch manchmal schwer, einfach den Tag zu leben und zu genießen, wie er kommt? Seid ihr spontan oder "planwütig"? Ist euer Leben bisher so verlaufen, wie ihr euch das vorgestellt habt? Ist eure Zukunft, zu der Vergangenheit geworden, wie ihr sie wolltet? Und wenn nicht, zu was hat es euch gemacht?

Kommentare:

  1. Ein wirklich toller Text und ich kann deine Gedanken verstehen. Es ist wichtig, dass man sich und seine Entwicklung und auch das eigene Leben immer und immer wieder reflektiert, weil irgendwie kann man nur so wissen, ob man wirklich glücklich ist. Solange man in der Gegenwart ein glücklicherer Mensch ist, kann man sich sicher sein, dass große Entscheidungen, die neuen Wege, die man getroffen und beschreiten hat, dass sie richtig waren und so, wie es ist , alles richtig ist. Auch dass man manchmal nach hinten guckt und irgendetwas vermisst oder bedauert ist natürlich klar, aber was wirklich finde ich so richtig zählt ist die Gegenwart und die Zukunft.

    Ich selbst kann wirklich sagen, dass ich nichts bedauere. Es ist alles gekommen, wie ich es mir gewünscht habe und ich möchte alles dafür machen, dass es so bleiben kann. Ich glaube gerade in dieser Situation, für die man so viel tin musste, dass sie so wird, wie sie ist, ist es schwer, dass diese anders wird und das macht mich wahnsinnig froh.

    Ich finde es gehört dazu, dass man mal an irgendwas denkt und es vermisst von früher, aber ich finde es sehr richtig, dass du über alles nachdenkst und auch siehst, dass es gut ist, das man nicht mehr ist, wie früher. Was man eigentlich auch machen könnte wäre eie Liste mit Sachen schreiben, die man froh ist, loszuwerden gerade um zu sehen, das alles so richtig ist, wie es ist.

    Ich neige auch dazu zu planen, bzw. auch erst seit diesem Jahr,w eil ich vor Anfang des Jahres nie gewacgt habe, an die Zukunft zu denken, weil ich mir einfach nicht erlaubt habe, dieses zu tun. Ich dachte ich hätte nicht das Recht auf ein Glück, das ich mir eigentlich so sehr wünsche und dass ich niemals mit allem umgehen könnte, wie ich es heute sehr tue. Ich habe getrauert um meine eigene Zukunft, weil ich in Dingen gefangen war, die ich jetzt abgeworfen habe und ich kann dir gar nicht erklären, was es für ein Gefühl ist, dass ich auf einmal mein Leben lebe, so, wie ich es will. Außerdem habe ich heute noch dazu ein Buch über alternative Familienformen bestellt und ich kann es kaum glauben. Die Zukunft ist noch so lang und man kann nie früh genug anfangen, jedenfalls ein ganz ganz ganz grobes Konstrukt zu erstellen, wie es ungefähr aussehen könnte, was meinst du?

    Natürlich ist es auch schön, in den Tag zu leben, aber wenn man zum Beispiel mit einem Partner darüber redet, wie die Zukunft in fünf Jahren aussehen könnte und dabei vielleicht auch ein wenig umspinnt zusammen, dann kann man sich gemeinsam auf etwas freuen, was vielleicht so wird, solange es beide nur gemeinsam träumen.

    <3 Drücke dich fest.

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    1. Die Welt ist einfach in einem ewigen Wandel aber du hast auf jeden Fall Recht, so eine Liste mit Sachen schreiben, die man froh ist, loszuwerden wäre wahrscheinlich wirklich spannend.
      Irgendwie ist es ja auch interessant wie man sich im Laufe der Jahre entwickelt, daher ist ja der Blick zurück nicht immer schlecht um zu sehen, was sich verändert hat.

      Achja und wer wenn nicht DU mein Herzblatt hätte ein Recht auf Glück. Ich bin froh dass du es dir mittlerweile zunehmend zugestehst <3 <3 <3
      Und ja, auch ein grobes Konstrukt ist sicherlich wichtig und eigentlich lehne ich das auch nicht ab, aber manchmal sollte man sich einfach nicht zu sehr damit aufhalten. Einfach nur damit man nicht die Chancen verpasst, die sich JETZT im Moment bieten <3

      Ich drück dich mein Herzi!

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  2. Oooh, was für ein schöner Text! ♥ Er beschreibt sowohl die Zeitproblematik wunderbar als auch diesen merkwürdigen Zustand nach einem WIR extrem gut.

    Ich glaube, es ist in diesem Fall wie so oft im Leben: man muss die Mitte für sich finden. Es bringt nichts, jahre- (oder jahrzente-)lang der Vergangenheit hinterherzutrauern. Aber man kann sie ab und an aus ihrer Schublade hervorkramen und in Erinnerungen und vielleicht auch in "was wäre wenn"s versinken. Bloß nicht zu lange und nicht zu oft. Es ist nämlich richtig wichtig, sich ab und an mal darüber Gedanken zu machen, wo man eigentlich herkommt, was man alles erlebt und überlebt hat, um sich dann selbt verorten zu können und sich seiner selbst bewusster zu sein.
    Genauso wenig zielführend wie ein Klammern an die Vergangenheit ist es, die Zukunft akribisch bis ins Detail zu planen. Denn erstens kommt ja bekanntlich sowieso alles anders und zweitens verpasst man so vielleicht eine Chance, die außerhalb des eigenen Rasters liegt. Auch hier finde ich es wichtig, eine grobe Richtung zu haben à la: wo will ich hin, was will ich erreichen. Und damit meine ich nicht diese pseudo-philosophische Aussage "ich will einfach glücklich werden". Das ist kein Ziel, sondern ein Umstand, der eben durch Rahmenbedinungen herbeigeführt wird.

    Im Moment bin ich persönlich extrem dabei, einfach in den Tag zu leben - gerade ist alles genauso richtig schön und das genieße ich richtig :) Gleichzeitig ist es natürlich wichtig, ein Auge auf die Zukunft zu werfen: das nächste halbe Jahr ist da ziemlich durchgeplant. Und dann habe ich eine grobe Richtung, in die es gehen soll und werde da mal schauen. Das hat den Vorteil, dass ich nicht wirklich scheitern kann, weil ich ja kein konkretes Ziel habe. So eine richtige Vorstellung von meinem Leben hatte ich auch tatsächlich noch nie wirklich. Dennoch bin ich zufrieden und würde rückblickend zwar einige Dinge anders machen, habe aber an sich nichts zu bereuen.

    Liebste Grüße
    MelMel

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    1. Ich danke dir für die lieben Worte und ich finde du hast es noch einmal ziemlich deutlich auf den Punkt gebracht. Zukunft und Vergangenheit ist beides irgendwie wichtig und beides kann nicht ohne einander. Aber wie du so schön schreibst, in ein Extrem sollte man nicht verfallen und das ist wichtig.
      <3

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  3. Ein sehr anregender und spannender Text. Auch wenn ich merke das die Müdigkeit momentan wohl gegen das nachdenken gewinnt ;-) Ich denke man wird ganz schnell verrückt wenn man alles und jeden hinterfragt. "Was wäre wenn" ist natürlich auch ne heikle Sache. Es ist wahnsinnig interessant drüber nachzudenken oder zu reden, bringt einen aber halt leider auch nicht weiter.
    Rückblickend hätte ich gern einiges anders gemacht, vieles aber auch genauso. Im hier und jetzt bin ich eigentlich recht glücklich. Also war ja sicher auch mehr richtig als falsch in meinem Leben...
    Aber ich erwische mich natürlich auch immer wieder dabei. Dann nenne ich es einfach Reflektion und es klingt schon viel positiver ;-) Ich würde gern öfter einfach in den Tag hinein leben, allerdings ist es mit Familie einfach nicht die richtige Zeit momentan. Die wird aber wieder kommen und ich hoffe ich hab dann noch die Freude und Energie, die ich heute verspüre... Wir werden sehen...

    Was ich auch unglaublich wichtig für das eigene Gleichgewicht finde, ist ein Ziel. Irgendein Ziel das man vor Augen hat, ganz egal was... Das hält einen lebendig! Ach, ich könnte da jetzt noch stundenlang drüber nachdenken, aber die Augen werden schwerer... Aber das hat Dein Beitrag bei mir bewirkt, er hat den Gedanken Kraft geschenkt um gegen die Müdigkeit (kurzfristig) zu siegen... Hat sich also voll gelohnt ;-))

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    1. Ich glaube beim was wäre wenn ist es manchmal - für einen Moment - schön ein bisschen "rumzuspinnen" aber mehr auch nicht. Aber genau da ist das Problem dass man da sich ganz schön schnell auch einspinnen kann und nicht mehr raus kommt.
      Das mit dem Familiending versteh ich auch irgendwie, auch wenn es natürlich schade ist dass man dadurch irgendwie eingeengt ist im "in den Tag hinein Leben".
      <3

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  4. Interessante Erfahrung für mich, genau jetzt solch einen Text zu lesen...

    Planung bedeutet glaube ich für viele Menschen einfach Sicherheit. Wenn sie einen Plan haben, dann haben wie einen klaren Ablauf vor Augen, genau so soll es kommen, keine Ausreißer, alles in Ordnung. Aber ich glaube so funktioniert das Leben nicht!

    Ich mache mir sehr wenige Pläne für mein weiteres Leben. Lieber setze ich mir Ziele, aber ohne genauen Plan dahinter, denn gerade der Weg dort hin ist ja der Teil den es zu meistern gilt. Und irgendwie steht mir da ein Plan nur im Weg!
    Lieber fange ich einfach und und mache mal, um zu sehen wie es dann wird. Wenn das Ergebnis dann nicht meiner Vorstellung entspricht, dann muss ich den einen Schritt halt eben noch einmal wiederholen. So sammle ich aber viel Erfahrungen, die mir helfen den Vorgang "Leben" zu optimieren!

    Ich habe mir in den letzten Jahren glaube ich zu viel aufgehalst! Den Job machen, dazu noch politische Arbeit machen, dann noch alles mögliche an Technik zuhause austesten, und ganz nebenbei auch noch Zeit zum Leben finden?
    Irgendwie war das alles Mist, und in den letzten Wochen und Monaten habe ich viel einfach hingeworfen! Bin einfach aus viele Sachen ausgestiegen, weil sie mich belastet haben. Zu viel auf einmal!
    Natürlich hatte ich Oläne für alles, aber was passiert, wenn diese Pläne nicht so realisierbar sind wie ich das gerne hätte?

    Ich habe beschlossen, dass Leben ruhiger angehen zu lassen und mehr und öfter in den Tag hinein zu leben. Dazu habe ich eine kleine Aufgabenliste, die arbeite ich dann Stück für Stück in aller Ruhe ab, so werden dann auch all die Dinge getan die unbedingt getan werden müssen. Und alles was nicht so drängt, kann ich dann auch guten Gewissens ein wenig schieben. Für mich ist diese Übersicht wichtig, damit ich alles ein wenig verteilen kann. Schließlich soll da auch noch Zeit zum Leben dazwischen sein, und davon keinesfalls zu wenig!

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    1. Was für ein großartiger Satz: "So sammle ich aber viel Erfahrungen, die mir helfen den Vorgang "Leben" zu optimieren!"
      Ich glaube genau das ist der Punkt, dass zwar ein Plan vermeintlich Sicherheit gibt, aber wenn ich ihn nicht so umsetzen und realisieren kann wie ich gerne möchte, dann macht es mich zeitweise unglücklich.
      Danke für deine sehr inspirierende Worte zu der ganzen Thematik. <3

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  5. Ich hab es auch oft, dass ich in der Vergangenheit festhänge und darüber nachdenke, ob ich nicht anders reagiert hätte sollen oder ähnliches.
    Aber sobald ich merke, dass ich festhänge ,schnappe ich mir jemanden und mache etwas spontanes oder geh lecker essen.

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    1. Meistens ist genau das die beste Lösung um nicht in so einem Strudel stecken zu bleiben. <3

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  6. ein sehr schöner beitrag. ich hab lustigerweise grade den kontrapunkt mit "was wäre wenn" im zentrum geschrieben. ich gebe dir grundsätzlich recht, dass man scih damit nicht aufhalten sollte. dass man zuviel in einer hypothetischen welt, zuviel in der vergangenheit lebt aber auch in der zukunft, zuviel nachdenkt, zuviel plant. aber gleichzeitig kann es auch unzufriedenheiten geben, denen man auf die spur gehen will, gehen muss. und deren ursachen findet man oft erst in der vergangenheit. für jedes gefühl gibt es die richtige methodik ;)

    und manchmal muss zukunft einfach vergangenheit werden, da nützt leider alles nichts.

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    1. Ja, da hast du völlig recht. Ich glaube das wichtigste ist wohl tatsächlich, irgendwie ein Mittelmaß zu finden um allen Zeiten (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) gerecht zu werden und jeder Zeit ein klein wenig Aufmerksamkeit zu widmen. Sei es um Ursachen zu finden oder um sich Sicherheit oder Zufriedenheit zu geben.

      Manchmal kann es ja auch wirklich ein schönes Gefühl sein, dass man einfach mal die Zukunft ausmalt oder einen schönen Moment aus der Vergangenheit hervorkramt und in einer schönen Erinnerung schwelgt um dann aber wieder ganz schnell auch Zeit zu finden um einfach einen schönen Moment JETZT zu haben und zu genießen.
      Oh man, ganz schön anstrengend dieses Leben :)
      <3

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