Vom Erwachsen sein...

Wenn man klein ist, wünscht man sich nichts sehnlicher als endlich erwachsen zu sein. Groß zu werden, großes zu vollbringen, zu leben, alles zu dürfen, seine Wünsche und Träume zu erfüllen.
Es dauert eine irre lange Zeit bis man endlich 16 wird - an der Schwelle zu fast erwachsen. Und dann dauert es noch mal fast genauso lang, bis man endlich 18 ist. Endlich 18, endlich erwachsen, endlich alles dürfen - ohne Einschränkung. Was man als Kind allerdings nicht bedenkt, dass man nun zwar scheinbar ohne Einschränkung leben kann, allerdings so viele neue Verpflichtungen hinzu kommen und man unglaublich vielen Erwartungen gerecht werden muss.
Man stellt fest, es ist zwar schon "irgendwie cool" auf eigenen Beinen zu stehen und gleichzeitig so unglaublich anstrengend!

Als Kinder spielen wir Mutter_Vater_Kind (Optional: mit_Hund), sind glücklich und bekommen nichts vom Leid der Welt mit. Der Garten ist für uns die ganze Welt. Wir werden behütet und abgeschirmt.
Und wir träumen... Wenn wir erst einmal erwachsen sind, dann erfüllen wir uns unsere größten Träume.

Wir werden groß und der Blick über den Gartenzaun hinweg ist alles andere als rosig. Denn wir sehen der nackten Wahrheit ins Gesicht, der Realität und der Welt wie sie wirklich ist.
Und man fühlt sich nutzlos und vor allem machtlos. Es gäbe sovieles was ich ändern würde, was ich anders machen würde, einige Schicksale die um mich herum passieren, die ich stoppen und ändern würde. Das Leid aufhalten und der Welt etwas zurück geben.
Und wenn ich hier stehe und die Masse an Schicksalsschlägen, die um mich herum geschehen, auf mich einprasseln, dann wünsche ich mich zuweilen wieder in den behüteten Garten zurück. Wo man nichts von alledem mitbekommt. Wo man mit dem Fuß aufstampft uns sagt: 'Ich will aber nicht!'
Wo man wieder Mutter_Vater_Kind spielen kann, statt die Spielchen um Liebe im echten Leben zu ertragen. Wo man in der Grundschule noch einfache Zettel schreibt: 'Willst du mit mir gehen? JA - NEIN - VIELLEICHT', statt dieser Umständlichkeiten der wir uns neuerdings bedienen. Wie setz ich mich am besten vor ihm in Szene, damit er sieht wie cool ich bin und welchen Zeitabstand wähle ich, bis ich auf seine Nachricht reagiere, nur um ziemlich exklusiv zu erscheinen.

Und gleichzeitig denke ich mir - ich mach mir über Dinge Gedanken, warum mich jemand nicht gern hat und versuche Gründe dafür oder dagegen zu finden. Dinge die mir angesichts weit größerer Schicksale so klein und unbedeutend erscheinen.
Ehe ich mich versehe, stecke ich fest in diesem Gedankenstrudel, dem Wirr-Warr meines Lebens und meiner selbst. Ich will wieder klein sein, nicht alles wissen, was ich jetzt weiß. Gleichzeitig möchte ich dieses 'erwachsen_werden', 'heranreifen' und 'Erfahrungen_sammeln' nicht noch einmal erleben und nicht noch einmal diese Ernüchternde Feststellung machen, dass im Leben nicht immer alles so läuft wie man es sich einst erhofft hat. Und dann wache ich nachts auf und bekomme eine Panikattacke, weil die Angst vor der Zukunft anfängt mich zu erdrücken.


Kommentare:

  1. hallo

    erstmal danke für deinen Kommentar, er hat mir ein kleines Lächeln aufs Gesicht gezaubert:)und ich muss für meine 10. Klasse Prüfungen in Mathe, Physik, Deutsch und Englisch lernen. ich will zwar Abi machen, aber diese Prüfungen sich bei uns Pflicht.

    Dein Artikel hier ist echt interessant und klingt ein kleines bisschen Wehmütig. Komischerweise war ich nie einer der Personen, die danach gestrebt haben, älter auszusehen oder älter zu sein. Liegt vielleicht auch daran, dass ich im Gegensatz zu den meisten anderen in meinem Alter das Wochenende lieber allein mit Freunden als auf großen Partys verbringe. trotzdem träume ich davon, frei zu sein, und dass bedeutet, dass ich ausziehen, reien und allein entscheiden will. Also will ich doch irgendwie älter sein:)
    In diesem Post erzählst du auf jeden Fall die wahrheit, wenn du sagst, dass alles komplizierter wird, auch wenn ich das meiste davon noch vor mir habe. Du hast mich nachdenklich gemacht, als du geschrieben hast, dass wir jetzt sehr darauf achten, uns in Szene zu setzten.ich finde das echt schade, denn es kommt mir teilweise so vor, als würde man damit nur eine Fassade aufrecht erhalten anstatt man selbst zu sein.

    Ach ja, warum verwendest du bei Vater Mutter KInd immer diese _ Leerzeichen?

    Auf jeden Fall ein schöner Text!

    liebe Grüße
    Julie

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  2. Oh wow, Sabrina! ♥ Du triffst den Nagel auf den Kopf - dein Text hat mich so gerührt, ich bin begeistert und unglaublich baff, WIE gut der Text ist. ♥ Ich danke dir!

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