2 Fragen über Glaube und Leben

Kürzlich kam mir ein Lied in den Kopf. Ein Lied einer Band, die ich lange Zeit liebte - ach was rede ich, ich liebe sie auch heute noch.

Es handelt sich um die Band Klee. Eine Band mit der ich viele schöne Momente teilte. Eine Band die gleichzeitig aber auch mit etwas verbunden ist, das so nicht mehr existent ist - aber das ist eine andere Geschichte.

Es ist ein wunderbares Lied, welches ich wirklich schon sehr lange nicht mehr gehört habe. Heute regt es mich zum denken an, da mir der Text sehr gut gefällt.

Denn im Lied werden zwei zentrale Fragen gestellt
"Woran glaubst du?"
und
"Wofür lebst du?"

Ich bekam das Verlangen mir selbst diese Fragen zu stellen. 
In letzter Zeit habe ich sehr häufig und sehr viel über die Themen "Glaube", "Religion" und "Sekten" nachgedacht und Gespräche darüber geführt. 

Aber was ist überhaupt Glaube? Google sagte mir darüber folgendes:
Bei 1 taucht da schon - natürlich abhängig vom Thema - ein erstes Problem auf. Zuweilen bin ich sehr gefühlsgeladen - himmelhochjauchzend und zum Tode betrübt. Früher oder später finde ich aber trotz allem immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, zurück in die harte (?) Realität. Ich brauche Fakten und Beweise, bewahre gerne einen kühlen Kopf und will mich nicht auf ein irrationales Gefühl verlassen. Themen, die die Zukunft betreffen, diskutiere ich sehr gerne rational. Ich will versuchen Dinge realistisch zu sehen, auch wenn das nicht immer einfach ist. Vermutlich kommt an dieser Stelle die Ingenieurin in mir durch. Die Naturwissenschaftlerin, die beim mathematischen Beweis erst zufrieden ist, wenn sie beim q.e.d. angekommen ist. 
Bei 2 wird das Problem noch größer. Aufgewachsen bin ich katholisch. Ich ging regelmäßig zur Kirche und diente sogar als Ministrantin. Es war ein kleiner Trend, denn von meiner Grundschulklasse haben sich sehr viele für diesen Dienst gemeldet. Es war eine schöne Zeit, eine tolle Gruppe und der Dienst war der Kirche gewidmet. Doch heute bin ich Naturwissenschaftlerin und habe das Gefühl, dass in mir drin keine religiöse Überzeugung (mehr) ist. War diese Überzeugung überhaupt jemals da? Durch die vielen Gespräche, die ich in der letzten Zeit über das Thema Religion führte, wird mir immer klarer, dass ich mich dort nicht zuhause fühle. Das ist ok für mich.

Doch wie müsste ich diese Frage denn nun beantworten?
Ich glaube an die Wissenschaft, ich glaube an Liebe und an Freundschaft. Ich glaube daran, dass alles einen Sinn macht - irgendwann. Es ist schwer, auf die Frage nach dem Glauben eine Antwort zu finden, zumindest habe ich den Eindruck, dass ein tief verwurzelter Glaube nicht  so richtig in mir drin existiert. Aber, das ist ok für mich. Vielleicht muss ich heute nicht glauben, solange ich mir selbst auch morgen noch treu bleibe. 
Vielleicht ist also die zweite Frage die wesentlich Wichtigere? Eine Frage, die man sich ohnehin mehr als einmal in seinem Leben stellt? 
"Wofür lebst du?" 
Ich finde diese Frage beinhaltet gleichzeitig auch ein wenig, die Frage nach dem Sinn des Lebens. Eine Frage, auf die es keine universell-gültige Antwort gibt. Für eine Antwort, muss man auf die Suche gehen - und zwar zu aller erst in sich Selbst. Während sich also meine Gedanken, darum drehen, wofür ich lebe, wandere ich tief hinein in mich selbst. In Meine Gedanken, in meine Gefühle, in Erfahrungen und in Wünsche.

Früher einmal glaubte ich daran, dass ich dafür lebe eine Familie zu gründen. Mit 25 alles "unter Dach und Fach" zu bringen, unter sein eigenes Dach - Haus, Kinder, Ehemann. Dieser Glaube löste sich auf, als auch die Verbindung zu Klee einen kleinen Riss bekam. 

Mittlerweile lebe ich dafür, jeden morgen aufzustehen, den Tag, das Leben und die Liebe zu genießen. Ich verliere mich nicht mehr an den Glauben, was eines Tages die Zukunft bereit halten könnte sondern halte mich daran fest, was das hier und jetzt für mich bereit hält. Für mich ist es pures Glück - Felix Felicis sozusagen - einen Menschen an meiner Seite zu haben, der für mich ein Fels in der Brandung ist. Der mir den Kopf zurecht rückte und meine Sicht auf die Dinge verändert hat. Ein Mensch, der - trotz all meiner Zweifel über das Leben - mir unbeabsichtigt gezeigt hat, dass ich den Glaube nicht brauche sondern, dass es ausreicht, an mich selbst zu glauben und für mich selbst zu leben. Heute. Jetzt.
q.e.d.

Und nun, wenn ich euch zwei Fragen fragen würde, wäre das:

Woran glaubt ihr?
und
Wofür lebt ihr?



Kommentare:

  1. Was für ein großartiger Text, der auch sehr emotional ist. Ich muss sogar ein bisschen Tränchen wegblinzeln, was für tolle Worte. Ich finde das wirklich so spannend das Thema und auch deine Ansicht. <3 Ich lebe für so vieles und muss mich manchmal bewusst daran erinnern, dass es wichtig ist, in der Gegenwart zu leben. Ich neige zur Zeit stark dazu viele Pläne für die Zukunft zu machen, was vielleicht auch daran liegt, dass ich mich jahrelang nicht "getraut" habe so Dinge mir auszumalen und so weiter. ICh weiß nicht, aber ich glaube so kann ich es ambesten erklären. Früher hat mir Zukunft immer Angst gemacht, ich dachte ich müsste mein Glück irgendwie aufgeben und so ist es aber nicht und meine Gegenwart macht mich so glücklich, dass ich trotzdem gar nicht erwarten kann, dass ich in die Zukunft starte und Dinge plane und erlebe.

    Ich glaube tatsächlich relativ doll. Dafür zählt für mich nicht unbedingt, wie oft ich in die Kirche gehe oder das ich alles, was zB in der Bibel steht, glaube oder so denke, aber (!) ich bin mir sicher, dass es da irgendwas gibt und auch, dass es nach dem Tod irgendwie noch weitergeht. Wenn ich den Glauebn nicht hätte, dass es so ist, dann würde mir irgendwas fehlen. Ein wirklich super spannendes Thema und ich muss mich auch gar nicht so intensiv damit befassen, um zu glauben, dass Dinge aus bestimmten Gründen passieren und das es woauchimmer irgendas gibt, das mich beschützt. Das klingt total komisch,aber kann ich auch schwer beschreiben. hihi. <3

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  2. ein mutiger und schöner text!! klee kenne ich nicht, ich werde mich mal schlau machen. meine band dahingehend ist übrigens kettcar, aber zum glück konnte ich sie für mich wieder voll rehabilitieren <3

    wir haben ähnliche erfahrungen gemacht, obwohl wir ganz unterschiedliche biografien haben. irgendwo war das christliche umfeld als kind eine selbstverständlichkeit, mit der zeit habe ich aber herausgefunden, dass ich mich mit religion nicht identifizieren kann. ich glaube, dass wir teil eines größeren systems sind und dass dieses universum da draußen viele geheimnisse birgt, die wir nicht verstehen können. das im großen. und im kleinen glaube ich an das unbewusste. tja, dr. freud steckt einfach ganz tief in mir drin :)

    und wofür ich lebe ist schnell beantwortet, auch wenn die kurze antwort auf die frage lange gebraucht hat, bis sie sich in mir geformt hat: um spuren zu hinterlassen.

    alles liebe für dich <3

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  3. Ein wirklich interessantes Thema, über das man wirklich oft und lang diskutieren, debattieren kann.
    Woran ich glaube und wofür ich lebe, dass vermischt sich sehr oft. Glaube hat für mich weniger mit Religion, mit einer Religion zu tun. Ich picke mir aus allem die für mich wichtigen Teile raus.
    Ich glaube natürlich an die Liebe, an das Glück als grosses und ganzes. Ich glaube an die Zukunft, an das Gute im Menschen und an noch so viele andere tolle Sachen. Wofür ich lebe, lässt sich auch ganz kurz beantworten. Ich lebe um das Leben, mit all seinen Facetten erleben zu dürfen. Meine momentane Lebensphase geht weitestgehend für meine Kinder drauf. Ich glaube, das zu erleben, zählt mit zu den schönsten Lebensabschnitten eines doch so kurzen Lebens. So denke und sehe ich das jedenfalls ;-) LG Jan

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