Abhang der Abhängigkeit

Abhängig zu sein ist nie gut, oder?
Neulich drüber nachgedacht, denn wenn man seine Umgebung mit offenen Augen betrachtet, erkennt man sehr schnell diese kleinen Abhängigkeits-Verhältnisse – denn sie sind überall. Beziehungen, die nicht mehr symbiotisch sind, sondern einem Parasitismus gleichen und auch andere Kleinigkeiten, wie die Abhängigkeit von einem Bahnfahrplan.

Mir wurde klar, dass nicht umsonst das Wort Abhang im Wort ‚Abhängigkeit’ steckt. Und das Problem dabei ist, dass man viel zu schnell an den Punkte gelangt an dem man an der Grenze zum Abhang steht. Es ist eine Gratwanderung - Ein falscher Schritt und man stürzt ab. Und wie  hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, dass die Abhängigkeit am Abhang uns auch diesmal noch hält? Es ist als hinge man an einem seidenem Faden. Ein Faden der so sehr gespannt ist, dass er zu zerreißen droht.


Die Abhängigkeit beschert mir einst zusätzlich eine Sucht. Eine Sucht mehr zu wollen. Immer mehr. Zweisamkeit und Gemeinsamkeit. Füreinander da sein. Aufeinander zählen. Aufeinander verlassen. Doch irgendwann waren diese vielen und eigentlich doch schönen Faktoren nicht mehr ausgewogen und symbiotisch sondern wurden mehr und mehr parasitär. Und schon war sie da, von einem Moment zum nächsten, die Abhängigkeit. Abhängig von einer anderen Person, süchtig nach Liebe. 
Abhängig von dir und süchtig nach deiner Zuneigung.
Abhängig davon, dass meine Welt nur rund lief, weil du darin warst.
Dass du der Mensch warst, der mich antrieb. Der meine Welt am Laufen hielt.
Der verantwortlich dafür war, ob mein Tag gut oder schlecht sein sollte.
Du warst die Person mit dem Messer in der Hand, wie ein strahlender Ritter, der mich stets begleitet hat. Der für mich und mit mir kämpfte.
Du warst die Person mit dem Messer in der Hand. Doch ich habe übersehen, dass du nicht ewig mit mir hättest kämpfen können.
Ich habe übersehen, dass du die Fähigkeit hattest, dich mit dem Messer gegen mich zu wenden.
Und die Abhängigkeit zwang mich dazu, zu bleiben wo ich war. Vor dir. Vor dir und deinem Messer.
Es war eine Sucht und gleichermaßen eine Sehnsucht. 
Die Sehnsuch wieder zurück zu finden, in die Zweisamkeit. Die Sehnsucht, mich wieder gut zu fühlen, weil du an meiner Seite bist und mit mir kämpfst.
Obwohl ich immer glauben wollte, dass du an meiner Seite, jegliche Schwächen ausgleichst und mir zu einer Stärke verhilfst, dass ich die Welt regieren könnte, so hat mich doch diese Abhängigkeit einst so sehr geschwächt. Sie hat meinen Blick getrübt, dass ich meine eigene Stärke übersah.

Jetzt wo ich sie wieder gefunden habe, fällt es schwer, anderen zu gestatten, sich in meinem Umfeld nieder zu lassen. Denn die Angst bleibt, jemand könnte einen Dolch hinter dem Rücken versteckt halten.

Doch ich habe vorgesorgt, denn ich trage ein Messer in meiner Brust. Ein Messer, dass du mir einst hineinrammtest.


Vielleicht ist abhängig zu sein nicht immer gut, doch wer weiß, vielleicht können wir uns ab und an fallen lassen – und die Hoffnung bleibt, dass die Abhängigkeit, uns am Abhang keinen seidenen Faden sondern einen Fallschirm beschert, mit dem wir über den Abhang davon schweben können.

Kommentare:

  1. Ich liebe deine Texte. Manchmal ist der Grat zwischen Liebe (oder das, was man allgemein darunter versteht) und Abhängigkeit ganz schmal und schwer zu definieren. Auf jeden fall wunderschön geschrieben ... in einigem erkenne ich mich selbst etwas wieder.

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  2. Ich habe dir einen Award verliehen. :)
    http://guardianof-life.blogspot.de/2013/07/2-award.html

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